Ein herausfordernder erster Tag in Deutschland

29.12.2025

"Unabhängigkeit bedeutet nicht, keine Hilfe zu brauchen – sondern zu erkennen, dass man die Kraft hat, den eigenen Koffer selbst zu heben."

Kaum zu glauben, dass meine Ankunft in Deutschland schon drei Jahre her ist. Direkt nach meinem Bachelorabschluss wagte ich die erste große Reise ohne meine Eltern. Nach einem nervenaufreibenden Umstieg in Paris erreichte ich schließlich Düsseldorf.

Schon im Flugzeug erlebte ich den ersten „Culture Shock“: Niemand half mir mit meinem schweren Handgepäck. Später lernte ich, dass man hier – unabhängig vom Geschlecht – als stark gilt. Im Gegensatz zum Flug aus Shanghai, wo sich alle halfen, mochte ich diesen Gedanken der sofortigen Unabhängigkeit irgendwie.

Die nächste Hürde war die Deutsche Bahn. Trotz meines Deutschstudiums in China verstand ich am Bahnsteig kein Wort – die Ansagen waren einfach zu schnell. Erst mit Hilfe eines Passanten fand ich das richtige Ticket. Als ich später mit schweren Koffern durch die kühlen, grauen Straßen zu meiner ersten Wohnung lief, schrumpfte mein Vokabular vor Erschöpfung. In diesem Moment überkam mich tiefes Heimweh nach meinen Eltern.

Rückblickend war dieser graue Tag der Moment, in dem ich wirklich erwachsen wurde. Die Unabhängigkeit ist heute mein wertvollstes Gut. Deutschland hat mich gelehrt, nicht darauf zu warten, dass jemand den Koffer für mich hebt – ich schaffe es selbst. Aus dem schüchternen Absolventen von damals ist jemand geworden, der mutig seinen eigenen Weg geht. Lia